08.07.10

Christopher Street Day

Nach dem (zugegebenermaßen auch noch verdienten) Ausscheiden gegen Spanien bei der Fußball-WM gilt es jetzt, die Aufmerksamkeit anderen Dingen zuzuwenden. Beim Fußball ist jetzt in Deutschland sowieso nicht mehr viel zu holen. *seufz* Es wäre auch zu schön gewesen...

Quelle Bild 1: flickr-User mowolf2000





Wenden wir uns daher einem Phänomen zu, das dem Karneval sehr eng verwandt ist und sogar noch schriller und bunter daherkommt: der Christopher Street Day. Das ist ein Festtag, Gedenktag und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (fasst die Wikipedia zusammen). Auf dem CSD wird regelmäßig für die Rechte dieser genannten Gruppen und gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert. Erinnert wird am CSD an den ersten Widerstand von Schwulen gegen Unterdrückung und Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street am 28. Juni 1969. Tagelang fanden hier Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei statt, heute eine unglaubliche Vorstellung.

Quelle Bild 2: flickr-User mowolf2000




Der CSD heutzutage ist denn auch eine deutlich friedlichere Angelegenheit. Besonders in Köln und Berlin, aber auch hier in vielen anderen deutschen Städten, findet der CSD einmal jährlich statt. Verbunden ist die politische Demonstration mit einer großen Parade, bei der der homosexuelle Lebensstil zur Schau gestellt wird. Die Teilnehmer sind stolz auf den erreichten Grad an Akzeptanz und feiern sich selbst und ihre Bewegung. In Köln heißt der CSD auch Cologne Pride, in Anlehnung an die amerikanischen Gay Pride Veranstaltungen.

Quelle Bild 3: flickr-User norbert_blech







Aus einer karnevalistischen Perspektive zeigt sich der CSD als extrem buntes, schrilles, überkandideltes und lebensfrohes Event, dessen Besucherzahlen schon mal gerne die der Rosenmontagszüge übertreffen. Die Kostüme sind inspiriert von den einzelnen teilnehmenden Gruppen und häufig sehr körperbetont und sexuell konnotiert. Besonders beliebt sind Transgender-Kostüme, das heißt Frauen gehen als Männer und Männer gewanden sich mit Damenkleidern. Klassiker sind auch Schmetterlings- und Engelsflügel, die kleine Meerjungfrau (die haben unsere schwulen Mitbürger scheinbar ausgesprochen ins Herz geschlossen), natürlich der Matrosenanzug (das ist überhaupt der Klassiker schlechthin für den Schwulen von Welt) und alle Kostüme, die einen wie auch immer gearteteten Fetischbezug haben. Wenig Stoff ist grundsätzlich immer besser als mehr. Die Kostüme beim CSD sind übertrieben ausgestattet und vollkommen alltagsuntauglich.

Quelle Bild 4: flickr-User jurjen_nl


Wir als überzeugte Karnevalisten können vom CSD noch eine Menge lernen. Verkommt der Karneval manchmal schon fast zum Spießbürger-Happening wie der monatliche Besuch des Fußballstadions, so vermag der CSD auch heute noch zu provozieren. Er ist deutlich politischer als der Rosenmontagszug und die Teilnehmer sind auch richtig motiviert, denn schließlich stehen ihr gewählter Lebensstil und ihre Menschenwürde auf dem Spiel. Leider droht auch dem CSD eine zunehmende Kommerzialisierung, im Zuge derer die politische Message leider häufig vernachlässigt wird.

Quelle Bild 5: flickr-User norbert_blech






Na ja, unabhängig davon erfreuen wir uns an den verrückten Einsichten, die der CSD zu bieten hat. Die Bilder stammen größtenteils vom Kölner CSD, allerdings aus verschiedenen Jahren. Eine Inspiration für ein Fetischkostüm könnte der Baby Boy sein, stilecht in rosa und hellblau erhältlich und garantiert ein Brüller auf jeder freizügigen Karnevalsparty. Aber auch der sexy Matrose kommt nicht nur bei Schwulen gut an, sondern ist ein Renner auf jeder Kostümparty.


Und zum Abschluss nun doch noch ein CSD-Teilnehmer, der den Traum auf ein WM-Finale mit Deutschland noch nicht aufgegeben hat. Geknipst wurde er von mowolf2000 beim diesjährigen CSD, der übrigens letzte Woche stattfand. Lassen wir ihn weiter träumen, es macht sich so gut an ihm!


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