20.05.10

Blog-Karneval Fußball-WM 2010


Ich gebe zu, das Thema Fußball-WM hat nur peripher etwas mit Karnevalskostümen zu tun (obwohl es auch gegenläufige Meinungen gibt, wie ich gleich beweisen werde), aber zumindest das Wort Karneval bietet sich als Bezugspunkt für diese Aktion an. Palloo Petrov bittet in seinem Blog http://www.palloopetrov.de um Teilnahme an diesem Blog-Karneval. Kurz erklärt: Er möchte wissen, wer Fußball-Weltmeister wird und dazu möglichst Feedback sammeln. Andere Blogger geben einen (natürlich hochqualifizierten Tipp ab) und Palloo sammelt dann alle Einschätzungen nochmal an zentraler Stelle.

Ich finde die Idee gut und sage: Natürlich wird Deutschland Weltmeister und zwar aus dem simplen Grund, dass sie es schon bei der WM 2006 eigentlich verdient hätten und die ganze Welt es uns sowieso gönnt nach der Party im Sommermärchen. Dass Ballack jetzt verletzungsbedingt ausfällt, ist zwar für ihn als Spieler tragisch, aber sicher nicht für die Mannschaft. Wir (die Fans) haben vor vier Jahren schon bewiesen, welchen Rückhalt wir unserem Team geben können, da braucht es keinen Ballack als Motivator. Auch wenn das Experten anders sehen, ich bleibe dabei, dass wir nach einem grandiosen Turnier als Sieger auf dem Platz stehen werden.

Und zur Einstimmung noch ein paar Impressionen aus der vergangenen WM in Deutschland, die meine eingangs aufgestellte These, dass Fußball und Karneval doch nicht so weit voneinander entfernt sind, untermauern:

Dieses besonders hübsche Exemplar der Gattung Fußball-Fan ist dem Fotografen pittigliani2005 in Hannover ins Netz gegangen. Und hier deutet sich schon an, wo die Gemeinsamkeiten von Karneval und Fußball-WM zu suchen sind. Es hat zu tun mit unbändiger Lebensfreude, Mut zur Peinlichkeit und zum hemmungslosen Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit, kreativer Zurschaustellung der eigenen Person, gerne auch in verfremdeter Art und Weise. Da mag es Anhänger beider Seiten geben, die diesen Zusammenhang bestreiten, aber die Indizien mehren sich bei Betrachtung der bildlichen Zeugnisse.

Das rechte Bild vom selben Fotografen belegt eindrucksvoll, dass man sich auch ohne Kostüm effektvoll verkleiden kann. Klingt paradox, hängt aber mit der Erfindung abwaschbarer Farben zusammen, die bevorzugt großflächig auf dem eigenen Körper verteilt werden können. Gut, ich gebe zu, die Hose ist echt, aber das ist ja kein Muss, nicht wahr?





Karnevalistischer eingestellt sind diese beiden Italiener, deren Identifikation mit dem Spiel so weit geht, sich selbst als Ball zu inszenieren. Das sieht bombig aus, sorgt für reichlich Aufmerksamkeit und ist die Quitessenz der Verbindung der Domänen Fußball und Karneval. Alles in allem eine runde Sache also! Eigentlich endet meine Argumentation an dieser Stelle (wie könnte das linke Bild, das übrigens von ohaoha geschossen wurde, noch übertroffen werden?) doch ich möchte euch ein weiteres besonders fotogenes Beispiel nicht vorenthalten.










Hier handelt sich es sich um einen beherzten Versuch, der interkulturellen Annäherung gerecht zu werden und sich solidarisch zu zeigen mit den Fans des gegnerischen Teams (das vermutlich aus dem afrikanischen Raum stammte). SpreePiX-Berlin hat diesen Schnappschuss auf der Fanmeile gemacht und damit letztgültig bewiesen, dass der Gedanke der Völkerverständigung im Fußball wie im Karneval doch das höchste der Gefühle darstellt. Verständigung über kulturelle und geografische Grenzen hinweg ist das gemeinsame Ziel (übrigens auch des Karnevals der Kulturen, ich erinnere daran, dass er am Sonntag stattfindet).
Abschließend sei noch auf ein nettes Accessoire verwiesen, das bei der WM in Südafrika nicht fehlen darf. Dieser Hut ist genauso praktisch, wie er aussieht und noch dazu für Menschen mit patriotischer Einstellung genauso tragbar wie für Otto-Normal-Fußballfan. Also unbedingt zugreifen und in der Öffentlichkeit tragen!!! Erhältlich bei stekarneval.com

Ansonsten gilt: Spread the word, auf dass dieser Blog-Karneval ein Erfolg werde, genau wie es der letzte echte Karneval in Kölle am Rhing (wie jedes Jahr übrigens) gewesen ist!

13.05.10

Karneval der Kulturen in Berlin


Am 23. Mai 2010 wird es in Berlin zum fünfzehnten Mal den Karneval der Kulturen geben, zu einer für Kölner Karnevalisten untypisch sommerlichen Zeit. Ich muss allerdings zugeben, dass auch ich schon häufiger geneigt war, eine Petition beim Kölner Karnevalsrat einzureichen, doch den Karneval einfach auf den Sommer zu verlegen, zwecks brasilianischerer Atmosphäre. Also hat der Karneval der Kulturen schon einen erheblichen Pluspunkt im deutschlandweiten Vergleich, dazu kommt aber noch ein ganz entscheidender weiterer: Er repräsentiert die Stadt Berlin als Hochburg des multikulturellen Lebenswandels.

Quelle Bild 1: flickr-User Blogging Dagger


Berlin wird immer internationaler, Menschen aus allen Weltreligionen wollen ihre jeweiligen karnevalistischen Traditionen auch in der deutschen Hauptstadt ausleben können. Mit ca. 450.000 Ausländern übernimmt Berlin die Rolle einer "Integrationswerkstatt", in der im großstädtischen Raum erprobt wird, wie Menschen aus verschiedensten kulturellen Zusammenhängen miteinander leben, feiern und arbeiten können. Der Karneval der Kulturen leistet dazu seit nunmehr 15 Jahren einen nicht zu unterschätzenden Beitrag. Veranstaltet wird der Karneval der Kulturen seit 1996 von der Neuköllner Werkstatt der Kulturen, einer Begegnungsstätte für Menschen verschiedener Nationalitäten, Kulturen und Religionen. Selbst Kulturen ohne eigene Karnevalstradition können etwas beisteuern, denn Masken, festliche Umzüge, ausgelassene Straßenfeiern und bunte Tanzchoreographien lassen sich überall finden.


Quelle Bild 2: flickr-User greenpeace-jugend


Der Karneval der Kulturen bringt diverse heterogene Elemente zusammen und kreiert daraus ein Straßenfest der besonderen Art: Man kann Wagen, Tanzgruppen und Rikschas erleben, die sich zu Musik aus allen denkbaren Kulturen bewegen. Farbenfrohe Kostüme, kein einheitlich starres Erscheinungsbild wie die etablierten Kölner Karnevalsvereine, hier ist wirklich Leben auf der Straße! Den Karneval der Kulturen muss man einfach gesehen haben, wenn man in Berlin lebt oder leicht dorthin reisen kann. Er bringt die ganze Welt in einem atemberaubenden Spektakel zusammen, das beweist, wie bunt Berlin geworden ist. Er steht für ein kosmopolitisches Klima, ein offenes und gastfreundliches Deutschland und das gleichberechtigte Nebeneinanderstellen von Traditionen.

Quelle Bild 3: flickr-User artie


Ich werde es dieses Jahr leider nicht zum Karneval der Kulturen nach Berlin schaffen, weil ich am 23. Mai in Istanbul weilen werde. Aber sicher habe ich dann einige wirklich spannende Geschichten aus dem Orient im Gepäck, über die ich dann auch hier bloggen werde. Denn Inspirationen für Kostüme werden sich in der türkischen Metropole, die als einzige Stadt der Welt auf zwei Kontinenten liegt, sicher finden lassen.

Einige der Informationen in diesem Post habe ich der Website www.karneval-berlin.de entnommen, auf der sich auch einige grandiose Bildergalerien vergangener Events und alle wissenswerten Infos zum Karneval der Kulturen 2010 finden.

Quelle Bild 4: flickr-User Something in between


06.05.10

Verrückte Perücken

Als Toupet sind sie Teil der eher traurigen Alltagsrealität eitler Männer und Frauen, die sich vermeintlich nicht mehr auf ihre natürliche Haarpracht verlassen können. Sie werden dazu benutzt, echtes Haar vorzutäuschen (bzw. bestehen meist ja aus Echthaar) und verstecken, was nicht öffentlich gezeigt werden soll. Auch Bundesklanzler und andere in der Öffentlichkeit stehende Personen sind recht anfällig für diesen Trend.
Im Karneval allerdings ist die Intention eine umgekehrte: Hier soll gezeigt werden, was man hat (oder eben auch nicht hat, aber die Perücke als integraler Bestandteil vieler Kostüme ist ja auch ein Asset). Manche Perücken machen alleine ein Kostüm aus, wie die Elvis-Locke oder der Bob Marley Dreadhaufen. Jedenfalls will man damit gesehen werden und erwartet nicht, dass irgendjemand den künstlichen Aufsatz für das eigene Haar halten würde. Da die Gestaltung des Haupthaars allerdings seit Generationen und nicht nur bei Frauen einen wichtigen Bestandteil der Persönlichkeit ausmacht, sagt natürlich auch die Wahl der Perücke vieles über den Charakter des sie Tragenden aus. Hier einige 'telling examples':



Das ist der Archetyp der Perücke schlechthin. An diesem Beispiel kann man zudem erkennen, dass es tatsächlich eher weniger um Unauffälligkeit und Simulation von Echthaar geht, es ist eher ein Hingucker. Besonders schön der integrierte, nicht abnehmbare Hut. Das Bild stammt übrigens vom Christopher Street Day 2009 in Hamburg.

Quelle: flickr-User Markus Merz













Wer es besonders edel mag, dem ist mit diesem barocken Exemplar wohl bestens geholfen. Es lässt sich auch sehr gut zu Gothic Underground Parties tragen, ist also multifunktionell verwendbar. Idealerweise ergänzt man eine solche Perücke mit einer schwarzen Corsage, Netzstrümpfen und jeder Menge Wimperntusche. Das Geschlecht spielt hierbei selbstverständlich keine Rolle, wie üblich im Karneval.

Quelle: www.stekarneval.com





Sehr schön auch diese regenbogenfarbene Haarpracht. Man schau gerne hin, sie strahlt Lebensfreude aus und lässt sich grundsätzlich mit jedem beliebigen Kostüm kombinieren, kann aber auch ein Kostüm für sich darstellen. Besonders praktisch ist, dass man das Teil nach Karneval noch als Staubwedel verwenden kann, um in die hintersten Ecken der Wohnung zu kommen. Acht geben sollte man allerdings, dass man sie dann anschließend nicht wieder auf den Kopf setzt (und dies auch noch mehrere Jahrzehnte in Folge), sonst endet man wie dieser leicht unvorteilhaft getroffene Herr mit dem Fahrrad hier. Lieber eine neue Perücke besorgen und bei der Gelegenheit auch gleich noch ein Kostüm, das den Körper gnädiger verhüllt als es dieser Tiger Stringtanga vermag.

Quelle links: flickr-User yuan2003
Quelle rechts: flickr-User debagel


Japaner lieben Perücken (diesem Thema werde ich in naher Zukunft auch mal einen eigenen Blogeintrag widmen). In diesem Fall stellt die junge Dame einen gehörnten Dämonen aus der japanischen Mythologie dar, was ja sehr passend zum Karneval ist. Obwohl dieser Dämon doch eher putzig als furchteinflößend aussieht, hat man mit so einem historischen Kostüm schon mal einige Asse im Ärmel und kann mächtig Eindruck schinden.

Quelle: flickr-User maiaibing2000


Nicht systemkonform zeigt sich dieser Karnevalist. Aber so ist der Karneval ja auch immer gedacht gewesen: als Spielwiese für Querköpfe, Nonkonformisten und alle, die einfach mal dem Alltag entfliehen wollen. Wenn das mal nicht Punk ist, dann weiß ich auch nicht... Was die etablierten Karnevalsvereine dazu sagen würden, möchte ich hier lieber nicht wiedergeben. Aber m.E. handelt es sich bei vielen von ihnen ja auch um verstaubte Relikte, die den wahren Gedanken des Karnevals verloren haben und sich an ihren Traditionen festklammern.


Quelle: www.1001kostueme.de